Klare Ablehnung aus dem Dachdeckerhandwerk
Statement – 1.000 € Entlastungsprämie
Als Dachdecker-Verband Nordrhein weisen wir die geplante steuerfreie Entlastungsprämie von 1.000 Euro entschieden zurück. Dieses Vorgehen ist realitätsfern, unfair und ein Schlag ins Gesicht der Betriebe, die jeden Tag unter immer höherem wirtschaftlichem Druck arbeiten. Die Politik kündigt öffentlich Entlastung an, schreibt die Rechnung aber dem Handwerk und dem Mittelstand zu. Genau das ist der Kern des Problems. Wer Beschäftigten öffentlich eine Prämie in Aussicht stellt, obwohl die Finanzierung am Ende bei den Unternehmen liegen soll, erzeugt Erwartungen, die viele Handwerksbetriebe realistisch gar nicht erfüllen können.
Das ist kein seriöses Entlastungskonzept, sondern politische Symbolpolitik zulasten des Handwerks.
Die wirtschaftliche Realität in den Betrieben
Gerade unsere Dachdeckerbetriebe arbeiten seit langer Zeit unter enormem wirtschaftlichem Druck. Steigende Materialpreise, hohe Energie- und Kraftstoffkosten, wachsende Lohnnebenkosten, zunehmende Bürokratie und eine schwächere Auftragslage engen die Spielräume vieler Betriebe massiv ein. Wer in einer solchen Lage eine zusätzliche Prämie öffentlich ankündigt, ohne ihre Finanzierung selbst zu sichern, verkennt die Realität auf den Baustellen und in den Betrieben. Das ist eine Verlagerung von Verantwortung vom Staat auf das Handwerk.
Politischer Widerspruch und falsche Signale
Dabei wird der politische Widerspruch besonders deutlich: Politik erklärt gebetsmühlenartig, sie wolle nicht marktregulierend eingreifen. Gemeint sind dabei regelmäßig die wirtschaftlichen Gewinner der Krise, etwa große Konzerne der Rohstoffindustrie. Wie selbstverständlich wird dann aber mit der angekündigten Prämie massiv in die wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks eingegriffen. Das ist zynisch und verlangt aus unserer Sicht eine öffentliche Rücknahme dieser Ankündigung sowie eine Entschuldigung gegenüber den betroffenen Betrieben.
Frust in den Belegschaften, Druck in den Unternehmen
Für viele Beschäftigte entsteht durch diese Ankündigung zwangsläufig der Eindruck, diese 1.000 Euro seien greifbar oder sogar selbstverständlich. Genau darin liegt der politische Fehler. Denn viele kleine und mittlere Handwerksbetriebe werden diese Zahlung gar nicht leisten können. Am Ende produziert die Politik Frust in den Belegschaften, Erklärungsdruck bei den Unternehmerinnen und Unternehmern und neuen Unmut in den Betrieben. Ein solcher Mechanismus ist verantwortungslos.
Entlastung muss dort ansetzen, wo Belastung entsteht
Hinzu kommt ein zweites Problem: Die Politik sendet ein Signal, das an der Wirklichkeit des Handwerks vorbeigeht. Entlastung muss dort ansetzen, wo Belastung tatsächlich entsteht. Wenn Kraftstoffpreise steigen, wenn Anfahrten teurer werden, wenn Fahrzeuge täglich auf der Straße sind und wenn Beschäftigte auf Mobilität angewiesen sind, dann braucht es zielgenaue staatliche Maßnahmen. Wer dagegen eine Prämie ankündigt, die viele Betriebe nicht zahlen können, produziert Überschriften, aber keine verlässliche Entlastung.
Neue Erwartungen statt verlässlicher Rahmenbedingungen
Statt verlässlicher Rahmenbedingungen, weniger Abgaben und spürbarer Entlastung bei Energie, Mobilität und Bürokratie bekommen die Betriebe eine neue politische Erwartung ins Haus gestellt. Das verschärft den Druck, statt ihn zu mindern. Wer den Mittelstand stärken will, darf ihn nicht immer weiter in die Rolle des Zahlmeisters drängen. Genau das geschieht hier.
Was die Betriebe tatsächlich brauchen
Wir halten dieses Vorgehen deshalb handwerkspolitisch verfehlt. Unsere Betriebe brauchen keine politischen Ankündigungen, die am Ende neue Erwartungen und zusätzlichen Rechtfertigungsdruck im Unternehmen erzeugen. Sie brauchen planbare Rahmenbedingungen, weniger bürokratische Lasten, spürbare steuerliche Entlastung und Energiekosten, die wirtschaftliches Arbeiten noch zulassen.
Aus unserer Sicht wäre ein anderer Weg nötig: direkte staatliche Entlastungen, eine spürbare Entlastung bei Steuern und Abgaben, praxistaugliche Maßnahmen für Pendler und Betriebe sowie eine Politik, die den Mittelstand nicht ständig moralisch unter Druck setzt, sondern wirtschaftlich handlungsfähig hält. Alles andere bleibt Ankündigungspolitik ohne Bodenhaftung.
Klare Forderung an die Politik
Wer 1.000 Euro verspricht, muss diese 1.000 Euro auch selbst finanzieren. Alles andere ist nichts als ein politischer Griff in die Kasse der Betriebe. Das lehnen wir entschieden ab
Das Dachdeckerhandwerk in Nordrhein steht zu guter Beschäftigung, zu fairer Bezahlung und zu Verantwortung für seine Mitarbeiter. Aber diese Verantwortung hat wirtschaftliche Grenzen. Politik darf Erwartungen nicht per Pressekonferenz in die Werkstätten und auf die Baustellen tragen, wenn die Rechnung anschließend von den Betrieben bezahlt werden soll. Entlastung, die diesen Namen verdient, muss aus öffentlichen Mitteln kommen und darf nicht als moralischer Druck an das Handwerk weitergereicht werden.









